Berliner Zeitung berichtet über FSG'ler

Autor: Uwe Schierhorn | Erstellt am: Oct 4, 2018 | Fach: Biologie

Hier der Artikel vom 28. September 2018 zum Nachlesen:

 

Dauergäste bei „Jugend forscht“

Drei Schüler forschten zum Mikroplastik im heimischen Wasser und wurden dafür ausgezeichnet Von Silvia Passow, KönigsWusterhausen

Auf der Verpackung der Creme steht ein Versprechen: Die pflegenden Inhaltsstoffe sorgen für eine samtweiche Haut. Doch das ist nicht alles, denn es gibt auch eine sehr negative Seite. Und genau darum geht es den drei jungen Forschern Swantje Pieplow (18), Felix Pochert (18) und Annegrit Hübner (18).

Die Jungforscher aus Königs Wusterhausen (Dahme-Spreewald) kennen die schockierenden Bilder von den mit Plastikabfällen vermüllten Meeren. Sie selbst treibt die Frage um, wie viel es vom sogenannten Mikroplastik im heimischen Wasser gibt. Es geht umjene winzigen Kunststoffteilchen, deren Wirkungen noch völlig unbekannt sind. Die drei haben also einfach mal geschaut, wie viel von dem Mini-Müll in einer 200-Milliliter - Peeling-Creme ist. Swantje Pieplow zeigt ein Glas mit einer reichlichen Hand voll kleiner Perlen, die unscheinbar wirken und an Waschpulverkörner erinnern. „Das ist Mikroplastik“, sagt sie.

Ein Sommer voller Auszeichnungen Sie und ihre beiden Mitforscher gehören beim Wettbewerb „Jugend forscht“ schon fast zum Inventar, waren sie doch bereits mit verschiedenen Projekten dabei. Dieses Jahr gewannen sie mit ihrer Forschung zu Mikroplastik im Abwasser des Klärwerkes Ludwigsfelde den Brandenburger Landeswettbewerb im Fachgebiet Geo- und Raumwissenschaften, dazu den Sonderpreis von Ministerpräsident Dietmar Woidke.

Auf dem Bundeswettbewerb holten sie einen Sonderpreis, im August nahmen sie am Stockholm Junior Water Prize teil. Das war der krönende Abschluss ihres letzten Schuljahres vor dem Studium. „Wir sind begeisterungsfähig, können uns in ein Thema verlieben“, sagt Pieplow. Sie untersuchten nicht nur das Abwasser, sondern fragten sich: Wie kommt das Mikroplastik da hin und wo befindet es sich noch? Da Mikroplastik weder vom Sieb der Waschmaschine, noch von den Filtern der Kläranlagen eingefangen wird, waren die Feldforschungen in der Kläranlage schwierig. Die zunächst eingesetzten Siebe waren schnell verstopft, Mikroplastik geht auch Verbindungen mit anderen Stoffen ein – hier mit Klärschlamm. Also bauten sie Konstruktionen aus Netzen für Plankton, aus Sieben und Gefäßen, die das Klärwasser zu der Konstruktion leiteten.

Über Tage fingen sie die Rückstände ein, untersuchten sie unter dem Mikroskop und rechneten die Ergebnisse hoch. Vor allem ging es um Partikel, die 25 bis 40Mikrometer groß waren. Sie errechneten, dass pro Tag etwa 45.000 solcher Teilchen das Klärwerk verlassen. „Dabei haben wir die Zahlen noch eher niedrig angesetzt“, sagt Felix Pochert. Das Problem dabei: Der Klärschlamm wird in der Landwirtschaft als Dünger verwendet. Er landet auf den Feldern, und mit ihm das Plastik. Regen spült die Teilchen in Flüsse und Seen, dort nehmen Fische, Krebse, Muscheln und Schnecken sie auf. Diese wiederum werden von Vögeln gefressen, die dann selbst in der Nahrungskette größerer Tiere landen – das Plastik wandert also durch verschiedene Organismen. Außerdem landen Fisch und Fleisch auch direkt auf den Tellern der Menschen. Nun stellten sich Pieplow, Pochert und Hübner die Frage: Wie sieht es im See direkt vor der Haustür aus? Auch hier nahmen sie Proben und wurden fündig. „Wir gehen alle gern in diesen See“, sagt Swantje Pieplow, „die Leute sollten wissen, worin sie hier baden.“ Schließlich gingen sie einer der Ursachen auf den Grund und untersuchten eben Kosmetika auf Mikroplastik und fanden im Peeling der Cremes zerkleinertes Plastik. Nicht nur hier, auch in anderen ganz unterschiedlichen Pflegeprodukten. Lösung wird schwierig. „Die Politik muss handeln. Wir benutzen viel zu viel Plastik“, sagt Annegrit Hübner. Sie will selbst aktiv werden und studiert nun in Potsdam Geschichte und Politik. „Das Plastik wird oft nur für kurzlebige Zwecke genutzt“, sagt Felix Pochert und verweist auf Einmal-Verpackungen. Er nutzt zwar Plastiktüten, verwendet sie aber weiter. Wichtig sei, dass das Plastik aus der Kosmetik verschwindet, da sind sie sich einig. „Der gute, alte Waschlappen hat denselben Effekt wie ein Peeling“, sagt Felix Pochert. Ansonsten soll jeder schauen, was in den Einkaufskorb kommt. Sie empfehlen die App „CodeCheck“.

Beim Abwasser ist klar, dass Filter und Siebe nicht helfen, sagten sie. Vielleicht würde es helfen, die Teilchen elektrostatisch aufzuladen und dann einzufangen. Vielleicht könnten auch bestimmte Algen nützlich sein. „Am besten ganz auf Plastik verzichten“, schlägt Annegrit Hübner vor. „Da gönne ich mir im Club einen Drink für 15 Euro und stelle dann einen Trinkstab aus Rohöl rein.“

 

WA S   I S T   D A S   E I G E N T L I C H ?

Definition: Als Mikroplastik bezeichnet man Kunststoffteilchen unterschiedlicher Zusammensetzung mit einem Durchmesser von weniger als fünf Millimeter. Verschiedene Arten: Zu unterscheiden sind primäres und sekundäres Mikroplastik. Ersteres wird gezielt produziert und in der Kosmetik eingesetzt.
Zerfall: Sekundäres Plastik entsteht durch Alterungs- und Zerfallsprozesse, aber auch beim Waschen von Kleidung, die Polyester oder Polyacryl enthält.